Goldschmuck und Altgold in Beuteln auf einer Werkbank neben einer Waage vor dem Einschmelzen

Aktueller Fachbeitrag

Goldrausch – und die größte Schmuck-Vernichtungswelle seit über 100 Jahren

Bei den aktuellen Goldpreisen – und insbesondere nach den stark schwankenden Kursbewegungen der letzten Monate – erleben wir derzeit die größte „Schmuck-Vernichtungswelle“ seit über einem Jahrhundert.

Vergleichbare Phasen gab es zuletzt 1813, als die Befreiungskriege gegen Napoleon enorme finanzielle Mittel verschlangen. Bürgerinnen und Bürger spendeten ihr Gold für die Kriegskasse und erhielten im Gegenzug Eisenschmuck als Zeichen ihrer Loyalität – häufig mit den Inschriften „Gold gab ich für Eisen“ oder „Gold gab ich zur Wehr, Eisen nahm ich zur Ehr“. Der Überlieferung nach soll Prinzessin Marianne von Preußen diesen Trend maßgeblich angestoßen haben.

Ein weiteres Mal geschah Ähnliches in den Jahren 1914–1918. Allerdings konnten mit den gesammelten Goldspenden nur etwa 0,1 % der Kriegskosten gedeckt werden. Die Menschen erhielten dafür meist schlichte Ringe oder Abzeichen aus minderwertigem Material. Gold zu tragen galt in dieser Zeit als unpatriotisch – demonstrativer Luxus war gesellschaftlich nicht akzeptiert.

Heute, mehr als hundert Jahre später, wird erneut in großem Stil eingeschmolzen. Und mit „groß“ meine ich wirklich groß.

Natürlich hat das auch eine gewisse marktbereinigende Wirkung: Manch schwergewichtige, brutalistische Kreation der 1970er Jahre verschwindet ebenso wie die massiven Armbänder der 1930er oder 1950er Jahre. Doch mit ihnen gehen eben nicht nur modische Verirrungen verloren, sondern auch Stücke mit Geschichte.


Einschmelzen oder versteigern?

Die entscheidende Frage lautet: Wann ist es sinnvoller, ein Objekt zu versteigern, anstatt es schlicht als Altgold zu verkaufen?

Bei der Wertermittlung spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle:

  • Materialwert
  • Historische oder kulturelle Bedeutung
  • Marken- oder Designername
  • Mode und aktuelle Nachfrage
  • Tragbarkeit
  • Zustand
  • handwerkliche Qualität
  • Seltenheit
  • Sammlerinteresse
  • Provenienz
  • Alter

Grundsätzlich ist es bei Auktionen so, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer eine Provision zahlen. Als Faustregel gilt: Ein Objekt sollte entweder mindestens etwa 45 % über dem reinen Materialwert liegen – oder es erfüllt einen oder mehrere der oben genannten Faktoren deutlich.

Eine fein gearbeitete viktorianische Goldkette wird in der Regel deutlich besser abschneiden als etwa eine sogenannte „Königskette“ aus den 1990er Jahren. Bei Letzterer ist fast ausschließlich das Gewicht entscheidend.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Verhältnis von Edelsteinen zum Goldgewicht: Eine Brosche mit lediglich sieben Gramm Feingold, besetzt mit Turmalinen und Diamanten, kann am Markt deutlich mehr erzielen als ihr reiner Materialwert vermuten lässt.

Nicht selten zeigt sich nach einer Auktion übrigens, dass der erzielte Erlös ungefähr dem Betrag entspricht, den man beim Einschmelzen erhalten hätte. Der Unterschied: Ein Stück Kulturgeschichte bleibt erhalten – und Tante Hildegard muss sich nicht im Grab umdrehen.


Wie also entscheiden?

Viele Ankäufer von Altgold oder Silber haben weder Interesse noch spezifisches Fachwissen zu antiken, historischen, Designer- oder Vintage-Stücken. Für sie zählt in erster Linie das Gewicht.

Mein Rat ist daher einfach: Lassen Sie Schmuckstücke vorab von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen.

Bevor ein Schmuckstück im Schmelztiegel endet, sollte man wissen, was man wirklich in Händen hält.

Einschmelzen ohne Prüfung ist wie ein Rubbellos wegzuwerfen, ohne es freigerubbelt zu haben

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